Prolog

Auf das Jahr 2013 angesprochen, werde ich wahrscheinlich einmal sagen, dass es das Jahr war, in dem sich alles veränderte. Die letzten Wochen waren geprägt von einer leicht chaotischen Mischung aus Aufbruchsstimmung und Wehmut. Denn egal, wo es mich als Nächstes hin verschlagen mag: Nach sieben Jahren im Ruhrgebiet werde ich Dortmund als Heimatstadt mit Sicherheit vermissen. Darüberhinaus ist mir in diesem Sommer das erste Mal wirklich bewusst geworden, wie grundverschieden es sich anfühlen kann, von einzelnen Menschen Abschied zu nehmen.

Da sind meine Lieblingsmenschen, bei denen ich mich schon jetzt auf ein Wiedersehen mit neuen Lagerfeuergeschichten von diesseits und jenseits des Atlantiks freue. Da gibt es Personen, die mich ein Stück meines Weges begleitet haben und nun natürlicherweise am Horizont verschwinden. Aber dann sind da auch noch jene Menschen, von denen ich mich in diesen Tagen widerwillig verabschiede und irgendwie die kassandrische Vorahnung hege, dass dieser Abschied endgültig ist. Keine Frage, letzteres gehört zum Leben dazu und wird ein immer wiederkehrendes Motiv unserer Biographie sein. Und dennoch: Manchmal fühlt es sich einfach nicht richtig an, wenn das große Drehbuch beeindruckende Menschen aus unserer Geschichte entfernt und sie uns nur noch als ganz besondere Erinnerung bleiben. Aber vielleicht ist ja genau das der tröstliche Gedanke an einer ungewissen Zukunft: Sie gewährt uns auch in diesem Punkt bereitwillig lächelnd Raum für Überraschungen…

Es gibt in den kommenden Monaten also genügend Dinge, über die es sich nachzudenken lohnt, wenn ich mich auf den Weg entlang der Anden in den tiefen Süden der Welt mache. Meine grob zurechtgelegte Reiseroute führt von Perus Hauptstadt Lima über Bolivien und Chile bis hinunter zur Tierra del Fuego – Feuerland. Sollte danach noch Zeit bleiben, werde ich ein paar Tage durch Argentinien ziehen, bevor mein Flieger am 6. Dezember in Buenos Aires abhebt und mich (möglichst unversehrt) zurück in die alte Heimat trägt. Wenn man den gängigen Reiseführern Glauben schenken darf, gibt es unterwegs so unfassbar viel zu sehen, dass selbst meine großzügig bemessenen 100 Tage reichlich knapp werden dürften. Für mich wird es definitiv die längste und spannendste Reise werden, die ich jemals unternommen habe und auf absehbare Zeit wahrscheinlich auch das größte Abenteuer-Kaninchen, dass das Leben aus seinem schwarzen Zylinder zaubert.

Hoppla, fast hätte ich etwas ganz Grundlegendes vergessen! Im Vergleich zur Peru-Exkursion 2012 hat sich meine kleine Reisegemeinschaft um einen Teilnehmer und acht Arme erweitert: Oleg ist seit dem Frühjahr mit einer rosa Tintenfisch-Dame verbandelt, so dass unser Expeditionsteam nunmehr aus zwei Wirbellosen und einem Münsterländer besteht. Trudi hat sich erfreulicherweise als echte Verstärkung für unsere Zwei-Mann-Truppe entpuppt: Die oktopossierliche Dame ist ausgewiesene Spezialistin für waffen- und knochenfreien Nahkampf, südamerikanische Standardtänze sowie Navigation mittels Geomantie und Beobachtung von Flachland-Tapiren. Sie spricht acht indigene Dialekte, kann ein Baumhaus aus Zahnstochern bauen und kennt den Südostpazifik wie ihre Westentasche. Ohne ihre Begleitung wäre mein verliebter blauer Compañero ganz bestimmt nicht zu überreden gewesen, den europäischen Kontinent hinter sich zu lassen und mich erneut auf die andere Seite des Atlantiks zu begleiten.

So habe ich also diese zwei weltgewandten tentakeligen Experten in der Jackentasche, wenn es in drei Tagen mit dem prall gepackten Rucksack in Richtung Flughafen geht. Während ich diese Zeilen schreibe, basteln Oleg und Trudi im Wohnzimmer gerade voller Enthusiasmus an einem Sextanten aus Alufolie und ungekochten Cannelloni – kann man sich eine bessere Südamerika-Crew wünschen?

Wenn ich mir die beiden werkelnden Tintenfische so anschaue, habe ich den starken Eindruck, es wird in nächster Zeit wahnsinnig viel zu berichten geben. Sucht euch also einen Platz, von dem aus ihr gut sehen könnt und macht euch mit mir auf den Weg: Wir reisen durch Gebirge und Wüsten und besuchen die Pinguine auf Feuerland!